Während meiner letzten Jahre in Berlin hatte ich den Luxus eines eigenen Arbeitszimmers – zu der Zeit waren die Mieten aber auch noch moderat. Als ich nach München gezogen bin, musste ich mich räumlich einschränken, und seitdem ist das Schlafzimmer auch gleichzeitig mein Arbeitszimmer. Das ist bei dir auch so? Dann bist du hier richtig!
Das Schlafzimmer ist Rückzugsort, Schlafzone, manchmal Familienraum und jetzt auch Arbeitsplatz. Wenn du hier konzentriert arbeiten willst, ohne dass du gefühlt die ganze Firma mit in deine Privatsphäre nimmst, braucht es durchdachte Lösungen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Homeoffice im Schlafzimmer einrichten kannst, ohne die Ruhe des Raums zu opfern und ohne Kompromisse bei Funktion und Gestaltung einzugehen.

1. Warum das Schlafzimmer als Arbeitsort besondere Anforderungen stellt
Ein Homeoffice im Schlafzimmer benötigt ein sensibles Zusammenspiel aus Funktion und Atmosphäre. Dein Gehirn verbindet diesen Raum mit Erholung, Abschalten und Intimität. Genau deshalb reagieren viele Menschen hier schneller auf Unordnung, visuelle Reize und technische Geräte.
Typische Probleme:
- Einschlafschwierigkeiten durch sichtbare Arbeitsutensilien
- Fehlende Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben
- Beengte Grundrisse ohne klare Zonen
- Ungünstige Lichtverhältnisse am Abend
Statt diese Punkte zu ignorieren, solltest du sie zur Grundlage deiner Planung machen. Ziel ist es, die Arbeit so unauffällig wie möglich zu integrieren, aber gleichzeitig auch eine Atmosphäre zu schaffen, in der du dauerhaft produktiv arbeiten kannst.

2. Bett und Schreibtisch richtig zueinander positionieren
Nicht jeder freie Meter ist automatisch geeignet: Der Standort deines Arbeitsplatzes entscheidet darüber, ob dein Schlafzimmer ruhig bleibt oder sich dauerhaft nach Arbeit anfühlt. Gerade hier beeinflussen Licht, Blickachsen und Nähe zum Bett stärker als in jedem anderen Raum, wie ausgewogen sich der Alltag anfühlt.
Ein abgetrennter Bereich im Schlafzimmer
Wenn es der Grundriss hergibt, ist ein klar definierter Arbeitsbereich ideal. Das kann ein leicht versetzter Raumteil, ein Vorsprung oder ein Bereich hinter einem Schrank sein. Diese räumliche Zuordnung sorgt dafür, dass Arbeit und Schlaf sich weniger vermischen, auch wenn sie im selben Zimmer stattfinden.
Eine Nische oder wenig genutzte Ecke
Nischen oder ungünstige Ecken eignen sich besonders gut für einen Arbeitsplatz im Schlafzimmer. Bereiche, die für Möbel oder Laufwege ohnehin schwer nutzbar sind, bekommen so eine klare Funktion. Gleichzeitig bleibt der zentrale Raum rund um das Bett ruhig und offen.

Seitlich vom Bett, außerhalb des direkten Blickfelds
Ein Arbeitsplatz neben dem Bett kann ebenfalls funktionieren, sollte jedoch – falls möglich – idealerweise nicht im Sichtfeld liegen. Entscheidend ist, was du siehst, wenn du abends im Bett liegst. Bildschirm, Unterlagen und Technik sollten dabei möglichst außerhalb deiner Blickachse bleiben. Je weniger Arbeit vom Bett aus sichtbar ist, desto leichter fällt es deinem Kopf abends, in den Ruhemodus zu wechseln.
Das Bett außerhalb der Kameraperspektive platzieren
Achte ebenso darauf, dass dein Bett nicht direkt hinter dem Schreibtisch steht, damit es in Video-Calls nicht im Hintergrund erscheint. Ein sichtbarer Schlafbereich wirkt schnell unruhig und privat, besonders im beruflichen Kontext. Das bedeutet, das Bett sollte in Bezug auf die Kameraperspektive zumindest ein Stück verschoben sein. Ideal ist jedoch eine Position, bei der Wand, Vorhang oder Regal die Blickachse der Kamera beruhigen und deinen Arbeitsbereich klar definieren.
Besonders in einem kleinen Raum sind solche Einschränkungen in Bezug auf die Positionierung jedoch nicht immer möglich. Und da kommen Raumteiler ins Spiel, siehe weiter unten.

3. Wie Himmelsrichtung und Sonnenstand den Arbeitsplatz beeinflussen
Für die meisten Menschen macht es Sinn, den Arbeitsplatz dort zu platzieren, wo tagsüber das meiste Tageslicht ankommt, da sie normalerweise arbeiten, wen es hell ist, und schlafen, wenn es dunkel ist. Das bedeutet, für eine gemütliche Atmosphäre im Bett wird üblicherweise weniger Licht benötigt als für eine produktive Arbeitsumgebung. Das ist aber sehr individuell: Falls du zu den Menschen gehörst, die am Wochenende gemütlich ausschlafen und die Sonnenstrahlen im Bett genießen wollen, dann kannst du natürlich auch dein Bett direkt ans Fenster stellen.
Wenn du jedoch deinen Arbeitsplatz in der Nähe des Fensters platzieren willst, dann spielen die Himmelsrichtung des Zimmers und der Sonnenstand eine wichtige Rolle. Bei einem Platz mit dem Rücken zum Fenster ist eine störende Blendung auf dem Bildschirm selten. Wenn du aber – wie ich – gerne beim Arbeiten gerne die Möglichkeit hast, nach draußen zu schauen, dann musst du dir ein paar mehr Gedanken über die Platzierung deines Schreibtischs machen.
Tageslicht lesen lernen: Süd, Nord, Ost und West
In Südzimmern kann die tiefstehende Sonne besonders im Winter blenden, wenn der Schreibtisch parallel zum Fenster ausgerichtet ist. Steht der Schreibtisch dagegen im rechten Winkel direkt am Fenster, kann im Sommer starkes Sonnenlicht auf den Arbeitsplatz fallen, was ebenfalls störend wirkt.
Nordzimmer bieten über den Tag hinweg ein gleichmäßiges, eher kühles Licht, das wenig blendet, dafür aber häufig zusätzliche Beleuchtung erfordert. In Ost- und Westzimmern tritt Blendung meist morgens oder abends auf, wenn die Sonne flach einfällt.
Tageslicht zuerst beobachten, dann entscheiden
Deshalb lohnt es sich, vor der finalen Positionierung des Schreibtischs einige Tage zu beobachten, zu welchen Zeiten und aus welchen Winkeln das Licht tatsächlich in den Raum fällt, und was für dich persönlich am angenehmsten ist.
Ich selbst habe mich in meinem Südzimmer dafür entschieden, meinen Schreibtisch direkt ans Fenster zu stellen, so dass meine Augen durch den direkten Blick nach draußen entspannen können. Zwar muss ich im Winter bei Sonnenschein für ein paar Stunden dünne Vorhänge schließen, um nicht geblendet zu werden. Aber dafür sitze ich im Sommer nicht in der prallen Sonne und muss den Raum nicht mit schweren Vorhängen komplett abdunkeln, wie es bei einer seitlichen Platzierung der Fall war.

4. Raumteiler als subtile Grenze zwischen Arbeit und Schlaf
Erlaubt der Grundriss keine zufriedenstellende Trennung von Arbeits- und Schlafbereich nur durch die Platzierung von Bett und Schreibtisch zueinander, so werden Raumteiler zum entscheidenden Gestaltungselement. Sie schaffen keine harte Trennung, sondern eine visuelle und mentale Distanz zwischen Arbeits- und Schlafbereich. Der Raum bleibt offen, wirkt aber geordnet und klar gegliedert.
Besonders gut funktionieren Raumteiler, die leicht, flexibel und nicht raumdominant sind. Massive Trennwände oder geschlossene Einbauten wirken schnell erdrückend und nehmen dem Raum Luft und Licht. Stattdessen geht es um Strukturen, die den Blick lenken und Arbeitszonen markieren, ohne den Raum zu verkleinern.


Geeignete Raumteiler für das Schlafzimmer-Homeoffice:
- Offene Regale mit begrenzter Tiefe, die Licht durchlassen und gleichzeitig Stauraum bieten
- Textilbasierte Lösungen wie Vorhänge oder Schiebevorhänge, die bei Bedarf komplett schließen
- Visuell leichte Einbauten aus Holz oder Glas
- Paravents mit ruhiger Oberfläche für flexible Nutzung
- Sideboards, die den Arbeitsplatz abschirmen, ohne den Raum zu zerteilen
Wichtig ist die Ausrichtung: Idealerweise positionierst du den Raumteiler so, dass du vom Bett aus keinen direkten Blick auf den Arbeitsplatz hast, und umgekehrt

Auch Material und Oberfläche spielen eine große Rolle: Textile Raumteiler wirken weich und wohnlich, Holz bringt Wärme und Struktur, während Glas oder Metall eine kühle Stilistik mit sich bringen.
Ein zusätzlicher Vorteil von Raumteilern liegt in der psychologischen Wirkung. Wenn du deinen Arbeitsplatz physisch durchquerst oder bewusst hinter dir lässt, entsteht ein innerer Wechsel. Arbeit und Schlaf vermischen sich weniger, obwohl sie im selben Raum stattfinden.

Schreibtische mit integriertem Regal können eine spannende Lösung sein (Werbung – Bei Klick auf das jeweilige Bild gelangst du zu La Redoute*):
5. Möbel, die verschwinden können: Der Schlüssel zur Ruhe
Ist der Raum nicht groß genug, um sowohl ein großes Bett als auch einen statischen Schreibtisch zu platzieren, dann kommen transformierbare Möbel ins Spiel:
- Wandklapptische, die nach Feierabend wie ein Paneel wirken
- Schmale Sekretäre mit geschlossener Front
- Einbauschreibtische im Schrank oder hinter Schiebetüren
- Konsolentische, die tagsüber Arbeitsplatz, abends Ablage sind
- Workstations auf Rollen, die nach Feierabend in einem Eck verschwinden können

Wichtig ist, dass sich dein Arbeitsplatz mit wenigen Handgriffen schließen lässt. Ideal ist ein Zustand, in dem abends kein Kabel, kein Papier und kein Bildschirm sichtbar bleibt. Detailliertere Tipps zu geeigneten Schreibtischen findest du im Artikel Schreibtische für kleine Wohnungen.
Am besten wählst du zudem einen Schreibtischstuhl, der sowohl farblich in den Raum passt, als auch ergonomisch genug für dich ist. Musst du den Raum noch weiter optimieren, dann kannst du zusätzlich tagsüber auch noch dein Bett verschwinden lassen, indem du ein Schrankbett wählst.
6. Arbeiten ohne Chaos: Stauraum speziell für das Schlafzimmer-Homeoffice
Offene Büroregale mit Ordnern etc. können im Schlafzimmer für visuelle Unruhe sorgen und erinnern ständig an unerledigte Aufgaben. Besser ist Stauraum, der ruhig wirkt und möglichst geschlossen ist.
Durchdachte Stauraumideen:
- Schubladenelemente mit Inneneinteilung für Technik und Bürobedarf
- Schöne Boxen aus Textilien oder Naturmaterialien
- Unterbett-Schubladen für selten genutzte Unterlagen
- Vertikale Schrankelemente, die die Raumhöhe nutzen
Je klarer der Stauraum strukturiert ist, desto schneller verschwindet der Arbeitsmodus aus dem Raum. Auch Ordnungssysteme wie gutes Kabelboxen und eine feste Schublade, in die der Arbeits-Laptop abends verstaut wird, helfen dabei, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen.
Wer es nicht ganz so minimalistisch mag, kann zum Beispiel mit dekorativen Organizern an den Wänden arbeiten, die sich in die Gesamtgestaltung einfügen und die wichtigsten Dinge schnell erreichbar machen.



Hier ein paar Ordnungshelfer, die dabei unterstützen können, den Schreibtisch gleichzeitig aufgeräumt und ästhetisch zu halten (Werbung – Bei Klick auf das jeweilige Bild gelangst du zu Amazon*):
7. Lichtkonzepte, die Arbeit ermöglichen und Schlaf schützen
Licht ist im Schlafzimmer doppelt sensibel. Du brauchst ausreichend Helligkeit für konzentriertes Arbeiten, darfst aber abends nicht das Schlafsignal stören.
Empfehlenswerte Lichtlösungen:
- Separate Arbeitsplatzleuchte mit klarer Ausrichtung
- Warmweißes Grundlicht, etwas neutralweißeres Arbeitslicht (bitte aber nicht zu kalt/bläulich – das Licht soll zwar wachhalten, aber dennoch angenehm sein)
- Dimmbare Leuchten mit klarer Trennung von Arbeits- und Schlafzone
- Abschirmbare Tischlampen oder platzierte LED-Lichtleisten statt großer Leuchten

Ideal ist ein Lichtkonzept, bei dem du den Arbeitsplatz beleuchtest, ohne den gesamten Raum zu aktivieren.
8. Akustik und Atmosphäre: Warum Materialien entscheidend sind
Gerade im Schlafzimmer fallen Geräusche stärker auf. Tastaturklappern, Stuhlrollen oder Hall können den Raum dauerhaft unruhig machen.
Materialien mit beruhigender Wirkung:
- Teppiche unter dem Arbeitsplatz
- Stoffbezogene Stühle statt Kunststoff
- Vorhänge oder textile Wandpaneele anstatt nur Rollos
- Filzunterlagen für Technik
Diese Elemente verbessern nicht nur die Akustik, sondern verstärken auch das wohnliche Gefühl. Dein Schlafzimmer bleibt ein Raum zum Ankommen, nicht zum Funktionieren.

9. Der Arbeitsbereich als Teil der Raumkomposition
Damit dein Homeoffice im Schlafzimmer nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sollte es Teil eines ganzheitlichen Gestaltungskonzepts sein. Entscheidend ist, dass Farben, Materialien und Oberflächen nicht zwischen Schlaf- und Arbeitszone wechseln, sondern bewusst aufeinander abgestimmt sind. Ein Schreibtisch aus dem gleichen Holzton wie Bett oder Nachttisch sorgt für visuelle Ruhe, ebenso wiederkehrende Materialien wie Stoff, Metall oder matte Lackoberflächen.
Auch das Farbkonzept spielt eine zentrale Rolle. Statt den Arbeitsbereich farblich abzugrenzen, wirkt es harmonischer, ihn innerhalb derselben Farbwelt zu gestalten. Akzente dürfen sein, sollten sich aber im gesamten Raum wiederfinden, etwa durch Kissen, Leuchten oder Wandgestaltung. So bleibt der Raum geschlossen und ruhig.
Vermeide zudem typische Bürooptik: Technische Elemente sollten reduziert eingesetzt oder bewusst integriert werden. Je stärker der Arbeitsplatz wie ein Möbelstück und nicht wie ein Arbeitsgerät wirkt, desto besser fügt er sich in das Schlafzimmer ein und unterstützt ein entspanntes Raumgefühl.

10. Psychologische Trennung: So bleibt Arbeit Arbeit und Schlaf Schlaf
Der wichtigste Aspekt wird oft unterschätzt. Selbst der schönste Arbeitsplatz nützt nichts, wenn du mental nicht abschalten kannst.
Hilfreiche Rituale:
- Arbeitsplatz jeden Abend aufräumen oder – wenn möglich – schließen
- Arbeitslicht bewusst ausschalten
- Arbeits-Laptop nicht im Bett nutzen
- Kleidung wechseln nach Feierabend
- Kurze Übergangsrituale wie Lüften oder Aufräumen, oder eine Runde Sport
Diese kleinen Handlungen signalisieren deinem Gehirn: Der Arbeitstag ist vorbei.

11. Homeoffice im Schlafzimmer bei Paaren oder mit Kindern
Wenn du das Schlafzimmer teilst oder Kinder im Haushalt leben, wird Planung noch wichtiger. Hier zählt Rücksicht und Flexibilität. Geeignete Lösungen:
- Zeitlich begrenzte Arbeitsfenster
- Besonders leise Möbel und Technik
- Mobile Arbeitsplätze, die komplett verschwinden
- Für den Notfall, wenn z.B. der Partner mit Grippe im Bett liegt: Kleiner Ausweich-Arbeitsplatz im Wohnzimmer
- Klare Absprachen über Nutzung und Ruhezeiten
- Visuelle Abschirmung durch Vorhänge oder Raumteiler
Je klarer die Regeln, desto entspannter der Alltag.
Fazit: Ein Homeoffice im Schlafzimmer funktioniert nur mit Respekt vor dem Raum
Ein Schlafzimmer ist kein neutraler Ort. Wenn du hier arbeitest, brauchst du Lösungen, die sich dem Raum unterordnen und nicht umgekehrt. Ein durchdachtes Homeoffice im Schlafzimmer ist stilistisch in den Raum eingepasst und trotzdem flexibel. Es unterstützt dich tagsüber und verschwindet abends aus den Gedanken. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem funktionierenden Konzept und einem Kompromiss, der langfristig belastet.
Du bist auf der Suche nach weiteren Tipps für kleine Wohnungen? Dann interessiert dich vielleicht auch dieser Artikel zu den absoluten Basics für das Leben in einer kleinen Wohnung.
Disclaimer: Einzelne Bilder in diesem Artikel wurden mit Hilfe von Grafikprogrammen wie Midjourney und Photoshop erstellt. Es handelt sich um Designkonzepte, was bedeutet, dass es die abgebildeten Produkte so nicht 1:1 zu kaufen gibt. Lass dich gerne zu einem DIY-Projekt inspirieren, indem du ein existierendes Produkt kaufst und es selbst anpasst und ergänzt. Alternativ kann dir auch ein Schreiner auf Basis eines der Fotos ein solches Produkt konzipieren und bauen.




